Schönstatt Würzburg

Von Julius Glaser, Juni 2021

Geld regiert die Welt“ heißt es im Volksmund, womit eine unbequeme Wahrheit ausgesprochen wird. Durch Geldströme können Interessen gelenkt und Investitionen getätigt und im Umkehrschluss auch Bereiche bewusst von diesen ausgeklammert werden. Dort wo das Geld also hinfließt wird auf Wachstum gesetzt und somit in die Zukunft investiert. Aus sozialwissenschaftlicher Sicht ist dies eine wichtige Erkenntnis, denn nur durch Geldfluss bzw. den Wirtschaftskreislauf ist eine moderne Gesellschaft handlungsfähig und lebendig. Der Wirtschaftssoziologe Jens Beckert geht diesem Umstand genauer auf den Grund und versucht die Geldflüsse mit „fiktionalen Erwartungen“1 der Menschen zu erklären. Damit meint er Erwartungen, die für die Zukunft angenommen werden, um in der Gegenwart eine Entscheidungsgrundlage für Investitionen zu haben. Das wirtschaftliche Handeln der Menschen wird also aus seiner Sicht durch eine Vorstellung von Zukunft bestimmt. Eine Wirtschaftsprognose wirkt somit wie eine selbsterfüllende Prophezeiung, denn durch eine angenommene positive Entwicklung der Zahlen, fällt es den Anlegern auch leichter in diesem Bereich zu investieren. Geld wird danach in eine positive Vorstellung investiert und hält durch diesen ständigen Blick in die Zukunft den Wirtschaftskreislauf aufrecht. Aus dieser Perspektive lässt sich somit treffend formulieren: „Geld bewegt die Welt“.

Die fiktionalen Erwartungen sind aber keineswegs überall gleich in einer Gesellschaft, was sehr schnell durch einen Blick auf den DAX oder die Regierung sichtbar wird. Dort sind aus meiner Sicht nicht gerade Gesellschaften oder PolitikerInnen versammelt, die für eine erstrebenswerte und nachhaltige Zukunft stehen. Als junger Mensch, der von christlichen Werten geprägt und in der Klimabewegung aktiv ist, weicht die eigene Vorstellung davon, in welche wirtschaftlichen aber auch gesellschaftlichen Bereiche investiert werden sollte, im Vergleich zu den Vorstellungen jener deutlich ab. Vor allem wegen dieses Widerspruches habe ich mich mit einem Thema beschäftigt, welches ich für einen wichtigen Baustein für eine bessere Zukunft halte: Ethisch-nachhaltige Investitionen.

Geldströme umleiten

Für mich stand dabei anfangs die Frage im Raum, was mit mein eigenen Geld eigentlich so alles gemacht wird, während es auf dem Konto liegt. Und nach kurzer Recherche war für mich klar, ich möchte zu einer Umwelt-Bank wie der GLS-Bank wechseln. Doch natürlich war mir bewusst, durch meine Entscheidung allein lassen sich Investitionsströme nicht großartig beeinflussen. Dafür brauchte es größere Summen und entsprechenden politischen Aktivismus um diese in nachhaltigere Bereiche zu verschieben.

Während meines Studiums in Göttingen bin ich auf zu FossilFree aufmerksam geworden. Diese Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht auf Organisationen wie die Stadt und die Universität Göttingen zuzugehen und sie davon zu überzeugen, ihre Geldanlagen zu überdenken. Dabei lag der Fokus konkret auf dem Abziehen von Geldern aus Firmen, die mit fossilen Energieträgern wirtschaften und diese ethisch, sozial und nachhaltig anzulegen, sprich in zukunftsfähige Wirtschaftsbereiche zu investieren. Diese Strategie wird „Divestment“2 bezeichnet.

Kirchen als Partner für eine zukunftsorientierte Investition?

Die Göttinger Ortsgruppe hatte es sich auch zur Aufgabe gemacht das Bistum Hildesheim davon zu überzeugen, zu divestieren. Eine Aktion die mich sofort überzeugt hatte, denn wer wenn nicht die Kirche sollte einen hohen moralischen Anspruch an sich haben, was mit dem angelegten Geld passiert und was nicht. Parallel dazu habe ich mich im BDKJ Würzburg, in meinem Heimatbistum, dafür stark gemacht, dass sich dieser Dachverband Gedanken dazu macht, unter welchen Umständen sein Geld wirtschaften darf. Schließlich sollte der BDKJ mit dem Ergebnis seiner Reflexion dann seinerseits aktiv auf Bistum und Kirchenbanken zugehen und für seine über Ethisch-nachhaltiges Investieren erworbenen Erkenntnisse werben. Ich habe versucht, aus mehreren Richtungen auf die Anlagerichtlinien zweier Bistümer einzu wirken, mit durchwachsenem Erfolg.

Beide Bistümer erwiesen sich als sehr schwerfällig. Für mein Anliegen braucht es im Kontakt mit ihnen einen langen Atem! Das ist im Rahmen von Jugendarbeit (BDKJ) und während meiner begrenzten Studienzeit nur sehr schwer umsetzbar. Dennoch gelangen mit FossilFree einige Teilerfolge. Wir wurden zumindest mit unserem Anliegen ernst genommen. Doch reicht z. B. eine Anpassung der Anlagerichtlinien im Bereich Kohle von 33% auf 20%, wie es uns das Bistum Hildesheim in Aussicht stellte, nicht wirklich aus um Zukunft wirkungsvoll zu gestalten.

Erkenntnisse teilen

In Würzburg hingegen schaffte es der BDKJ einen soliden Kriterienkatalog aufzustellen und sich seiner Verantwortung dem eigenen Geld gegenüber bewusst zu werden. In ihm wurd Positiv- und Negativkriterien benannt, die den Bereichen

  • Umwelt & Klima“ (Bewahrung der Schöpfung) und

  • Ethisches & Soziales“ (christliches Menschenbild)

zugeordnet waren. Der bewusste

  • Ausschluss von klimaschädlichen oder menschenunwürdigen Wirtschaftszweigen und

  • die Stärkung von nachhaltiger Landwirtschaft und Menschenrechten

sind einige Beispiele aus diesen Anlagerichtlinien3. Doch auch in Würzburg ist das Projekt noch nicht abgeschlossen und es wird in Gesprächen mit den Kirchen-Banken versucht die Schwellenwerte der Ausschlusskriterien weiter runter zu setzen.

Die Kirche als Gesprächspartner der jungen Generation

In den Gesprächen mit beiden Bistümern hatte ich nicht das Gefühl, dass die Ideen und Vorschläge aus der Vertreter der jungen Generation als unsinnig abgetan wurden. Dennoch blieb der Eindruck, dass die schwerfällige Organisationsstruktur der Bistümer einem Wandel im Weg steht und nicht der unbedingte Wille vorhanden ist schnell zu einer Umsetzung zu kommen.

Mit dem Blick auf die beiden Unternehmungen, würde ich sagen, dass die Vision einer nachhaltigen Gesellschaft noch nicht richtig in der Institution Kirche angekommen ist. Dort stimmen die eingangs aufgegriffenen fiktionalen Erwartungen für die Zukunft scheinbar noch nicht mit der aktuellen immer schlimmer werdenden Klimakatastrophe überein. Obwohl das Problem an sich erkannt wurde, ist die Dringlichkeit dessen noch nicht akzeptiert.

Druck von innen erhöhen

Das führt mich zur Frage, was es noch benötigt um ein Umdenken der Kirche aber auch der Wirtschaft im allgemeinen hervorzurufen. Hauptsächlich ist wohl der gesellschaftliche Druck immer noch nicht groß genug, um dieses Thema stärker zu priorisieren. Denn ja, die Verwaltungsstrukturen arbeiten langsam und konservativ, aber eine Einsicht zu einem Wandel ist vorhanden. Somit braucht es mehr Druck um einen höhere Priorisierung auf der Agenda zu erreichen. Und dieser sollte meiner Meinung nach vor allem noch mehr von Innen kommen und aus der klimabewussten Jugendverbandsarbeit an die Verantwortlichen herangetragen werden.

Eine gute Argumentationsgrundlage dabei ist die Orientierungshilfe des ZdK „Ethisch-nachhaltig investieren“4 sein. Denn die Kirche könnte mit einer neuen (fiktionalen) Erwartungshaltung eine Vorreiterrolle in der Gesellschaft einnehmen und in ihre Zukunft investieren.

1 Beckert Jens, 2018: Imaginierte Zukunft – fiktionale Erwartungen und die Dynamik des Kapitalismus

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