Schönstatt Würzburg

…würde ich schreiben, wenn die Marienhöhe ein legendäres Fußballstadion hoch oben auf dem Betzenberg von Würzburg wäre und unsere Schönstattfamilie eine ambitionierte Drittligamannschaft (in Würzburg sind wir ja auch mit 3. Liga schon zufrieden) im vorderen Drittel der Tabelle. Ist aber nicht so – und ist auch gut so. Stattdessen schallen Gebete und Gesang herüber an diesem 18. Mai, dem Bündnistag, an dem über drei Dutzend Menschen vor das Kapellchen zusammen gekommen sind.

Die anderen Seiten der Krise

Diözesanleiter Achim Wenzel ist froh alle diejenigen begrüßen zu können, die sich nach vielen Wochen zum ersten Gottesdienst nach dem Corona-Shutdown auf der Marienhöhe versammelt haben. Oder sollte man statt versammelt besser von vereinzelt sprechen, denn Sr. Annetraud achtet genau darauf, dass auch wirklich alle vor dem Heiligtum den gebotenen Abstand halten. In seiner Ansprache zitiert Achim Wenzel zunächst den Zukunftsforscher Matthias Horx, der u.a. davon geschrieben hat, dass sich die Menschen „nach einer ersten Schockstarre sogar erleichtert gefühlt hätte, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam“. Dem kann ich aus vollem Herzen zustimmen, weil ich in dieser besonderen Zeit ähnliche Erleichterung gespürt habe. Dann wird vom Bamberger Schönstattleiter Martin Emge berichtet, der davon spricht, dass „trotz aller Angst vor Ansteckung und dem Leid, das dieser Virus gebracht hat, die Menschheit eine Zwangspause eingelegt hat und durchatmet“. Auch das finde ich sehr treffend – für mein eigenes Leben, aber auch für die Erfahrungen in meinem Umfeld und mit Blick auf die Welt.

Schattenseiten aber keine Geisterspiele

Doch auch die vielen Schattenseiten der Corona-Krise blendet Achim Wenzel bei seiner eindringlichen Ansprache nicht aus. Auch die Marienhöhe sei schließlich als Einrichtung und Übernachtungshaus von der Krise voll erwischt worden. Die wirtschaftlichen Folgen seien derzeit noch gar nicht abschätzbar. Ein staatlicher Schutzschirm stehe hierfür jedenfalls nicht zur Verfügung (und auch von der Kirche kann man aus meiner Sicht derzeit eher nichts erwarten). Aber auf Geisterspiele wie bei den Fußballprofi-Vereinen kann man Gottlob auf der Marienhöhe verzichten, auch wenn das Haus noch den Rest des Monats geschlossen bleibt. Trotz Abstandsregeln und Mundschutz war das Verbindende bei der Bündnisandacht jederzeit spürbar. Ein Lächeln ein Zunicken oder ein Winken zwischen denjenigen, die gekommen sind, ging auch auf Distanz ganz gut. Etwas befremdlich war es dann doch als die Anwesenden sich am Ende weit verstreut um die Feuerschale stellten. Aber dann irgendwie auch besonders, originell und spirituell eindrucksvoll.

Er brennt jedenfalls wieder – der Feuerball auf der Marienhöhe.

 Wolfgang Fella

 Fotos: Wolfgang Fella

 

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